Johnny

Zwischen Rennautos und großen Baumaschinen

Eine Mutmachergeschichte über Niclas, den wir bei der Formel 1 kennenlernen und dem wir einige Jahre später, durch einen großen Zufall, wiederbegegnen. 

Es ist ein großer Tag für den kleinen Phil. Wie ein richtiger Baumeister darf er auf den Baustellen der Stadt aushelfen und all die großen Baumaschinen bedienen. Aber dieser Tag ist auch etwas Besonderes für den 14-jährigen Niclas: „Mein Opa und mein Vater hatten mich gefragt, ob ich bei Phils Wunscherfüllung mit dabei sein möchte und ich wollte natürlich unbedingt. Phil hat dann auf meinem Schoß gesessen und wir haben zusammen das Schaufelrad bedient. Eine Wunscherfüllung von der anderen Seite zu erleben war schon umwerfend. Wenn man einmal selbst in einer ähnlichen Situation war und dieses Gefühl kennt, wenn einem ein Wunsch erfüllt wird, dann ist das unglaublich schön, wenn man dabei sein kann und miterlebt, wenn einem anderen Kind auch ein großer Wunsch erfüllt wird.“ Es ist ein großer Zufall, der Niclas an diesem Tag zu Phil führt. Als die Wunschfeen von wünschdirwas auf der Suche nach einem Bauunternehmer sind, der bei Phils Wunscherfüllung behilflich ist, stoßen sie auf Jörg Punzel und der ist sofort voller Begeisterung dabei. „Für mich war das keine Frage, dass ich da helfe. Durch unseren Enkel habe ich die wertvolle Arbeit des Vereins selbst mitbekommen“, erzählt Punzel. Der Enkel, von dem er redet, ist, wie sollte es anders sein, Niclas.

Vier Jahre zuvor erfüllt wünschdirwas Niclas einen großen Herzenswunsch. Auch sein Wunsch hat etwas mit PS-starken Motoren auf vier Rädern zu tun. Doch anders als bei Phil, sind es nicht die großen Baumaschinen, die den damals Neunjährigen faszinieren, sondern die schnellen Formel-1-Autos. „Früher habe ich jedes Wochenende, wenn Formel 1 war, mit meinem Vater die Rennen angeschaut. Das war immer das Allergrößte und ich habe mir sehr gewünscht einmal Michael Schumacher zu treffen“, erzählt Niclas. Bei einem Rennen am Hockenheimring geht für ihn dieser Traum in Erfüllung.

Er darf das Rennen live verfolgen, besucht das Fahrerlager, trifft Nico Rosberg, Nick Heidfeld und natürlich auch Michael Schumacher – ein aufregendes Wochenende für den Formel-1-Fan. „Unglaublich das alles selbst zu sehen. Es war überwältigend, diese großen Persönlichkeiten zu treffen. Ich war schon sehr aufgeregt, aber sie sind auf mich zugekommen, haben gefragt, ob ich Fragen habe, haben alles beantwortet und sich viel Zeit genommen. Das war riesig“, erinnert er sich. Aber auch die unangenehmen Momente aus dieser Zeit sind noch sehr präsent. Es ist für alle eine schwierige Zeit, geprägt von andauernden Krankenhausaufenthalten und langwierigen Therapien. Fast drei Jahre lang kann er nicht regelmäßig zur Schule gehen. „Die Zeit, in der ich krank war, war sehr schwierig damals – auch als ich solange Zeit im Krankenhaus verbringen musste, weit weg von Zuhause. Aber meine Klassenkameraden haben immer Kontakt zu mir gehalten, mir Briefe und Mails geschrieben.“ Vor allem sein bester Freund Antonio sei immer für ihn dagewesen, habe ihn täglich aufgebaut. „In der schweren Zeit waren es meine Familie und meine Freunde, die mir geholfen haben. Sie waren immer für mich da, haben mir Mut gemacht.“

Heute geht es Niclas gut. Er hat viele Interessen, singt leidenschaftlich gerne im Chor, spielt Tischtennis und Volleyball und besucht einen Tanzkurs. Auch seine Leidenschaft für Autos ist nach wie vor groß. Die teilt er mit seiner Familie und ist als Co-Pilot bei Oldtimer-Rallys dabei. Im Gespräch erlebt man einen aufgeschlossenen 14-Jährigen mit einer ansteckend positiven Einstellung: „Ich freu mich über jeden Tag, an dem ich zur Schule gehen kann, etwas Neues lerne und erlebe, und mit meinen Freunden zusammen bin.“ Für seine Zukunft hat Niclas ganz klare Vorstellungen: „Ich habe schon lange einen ganz großen Wunsch: Ich möchte Arzt werden und anderen helfen und vor allem durch meine eigene Erkrankung ist es mir sehr wichtig, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht.“ Dass es ihm wichtig ist, wird auch im Gespräch mit seinem Opa Jörg Punzel deutlich. Er erzählt nicht ohne Stolz, dass Niclas in den knapp drei Jahren, in denen er so gut wie nie zur Schule gehen konnte, mit Hilfe einer Lehrerin den ganzen Schulstoff immer nachgeholt habe. Er wollte den Anschluss nicht verlieren und sei nach seiner langen Erkrankung auch direkt wieder in den Unterricht eingestiegen. Auch sonst klingt sehr viel Stolz und Bewunderung in den Worten Punzels mit, wenn er über seinen Enkel redet, vor allem wenn er sagt: „Für Oma und Opa ist der Niclas ein wunderbares Geschenk!“

Zum Abschluss des Gesprächs gibt Niclas anderen schwer erkrankten Kindern und Jugendlichen Folgendes mit auf den Weg: „Für alle Kinder, die eine schwere Zeit durchmachen, habe ich einen Rat: Nie die Hoffnung aufgeben. Es wird wieder besser. Es sind so viele Leute da, die ihr Bestes geben, die Ärzte, die Familie – es kann nur besser werden!“

Das gesamte wünschdirwas-Team wünscht Niclas nur das Beste für die Zukunft!

 

von Alexandra Streck

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