Johnny

Tobias mit dem Kämpferherz

Seine Wunscherfüllung liegt beinahe 2 Jahrzehnte zurück. Spuren von dem Tag, als er seine Fußballstars traf, finden sich heute noch wieder. Ein Bericht von unserer Ehrenamtlerin Sabine Loh

„Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben, wozu du berufen bist.“ (Bibel; 1. Tim 6, 12)

Als Tobias selbstbewusst diesen Konfirmandenspruch vor seiner Familie und seinen Freunden vortrug, war er bereits zu einem jungen Mann herangewachsen, der trotz einer schweren Erkrankung optimistisch und kämpferisch in seine Zukunft blickte. „Sein Lachen und seine Lebensfreude haben ihn ausgemacht“, erzählt sein Vater, Klaus Weber, im Interview mit unserer Ehrenamtlerin Sabine Loh.

Tobias, der von seinem älteren Bruder Benedikt den Spitznamen „Stobel“ bekam, akzeptierte seine körperlichen Beeinträchtigungen, stellte sich ihnen entgegen und genoss viele Momente sehr bewusst – so auch seine Wunscherfüllung, vor fast 20 Jahren, durch wünschdirwas.
Klaus Weber berichtet einfühlsam, mit seiner Familie, in dem Buch „Stobel und die Antwort vom Wind“, erschienen im Kestner Verlag, vom gemeinsamen Leben mit Tobias; von den Höhen und Tiefen. Sie lassen auch ihn noch einmal zu Wort kommen – fast sieben Jahre nach dessen Tod.

Als eine wichtige Erfahrung beschreibt der 50-Jährige die Wunscherfüllung, die sich der damals Achtjährige aus Mücke so sehr erhofft hatte. Als Fußballfan der Eintracht Frankfurt, wollte er seine Idole einmal hautnah im Stadion erleben und ihnen die Hand reichen. „Dass Tobias mit seinem Traum von den wünschdirwas-Mitarbeitern und den Klinikangestellten ernst genommen wurde, bedeutete ihm sehr viel“, erzählt der Familienvater und fügt hinzu: „Als der Wunsch für ihn in Erfüllung ging, spürten wir, dass ihn das motivieren und nach vorne bringen würde.“

Der aufgeschlossene und zielstrebige Junge war begeistert, seiner Lieblingsmannschaft beim Training zuzusehen, mit ihnen in Ruhe sprechen und zahlreiche Fotos schießen zu können. Laut gelacht habe er, während ein Spieler des Vereins ihn kreuz und quer über den Fußballplatz fuhr und die anderen Mannschaftsmitglieder ihn umschwärmten. „Seinen Rollstuhl und seine Krankheit konnte er an diesem Tag vergessen. Er war glücklich und natürlich auch aufgeregt“, sagt Klaus Weber und schmunzelt bei der Erinnerung an den Novembertag im Jahr 1995, an dem er, gemeinsam mit seiner Frau Helene, Tobias begleitete. Sie seien sich sicher, dass ihr Sohn Kraft gewann, die seinem Selbstbewusstsein einen Schub gab. „Er war ganz begeistert und hat allen Bekannten und Freunden von seinem Treffen in Frankfurt erzählt. Und als dann auch noch ein Zeitungsartikel mit einem Bild von ihm, neben seinen Stars erschien, schnitt er ihn sofort aus und zeigte ihn überall herum.“

Tobias sei ein fröhliches, experimentierfreudiges Kind und aufgeweckter junger Erwachsener gewesen, der sich mit großer Freude die Haare bei einem Frisör bunt färben ließ – eine zeitlang gerne in den Farben der Eintracht Frankfurt – oder später im Internat ausgiebig kochte und dabei eine Kochsendung mit Jamie Oliver ansah. Genießen und sich mit anderen austauschen zu können, das sei ihm wichtig gewesen, erzählt sein Vater. „Er war selbstbewusst, setzte gern Zeichen und hatte Lebenswillen, der ihn immer wieder über sich hinauswachsen ließ.“

Auch wenn sich Tobias seine Kräfte einteilen musste und oft Schmerzen hatte, er verlor seine Träume nicht aus den Augen: Er besuchte eine Regelschule, wechselte als 16-Jähriger auf ein Internat bei Rüsselsheim, liebte schnelle Autos und das Pokern mit seinen Freunden. Er lernte seinen Alltag, sein Leben zu leben und sich zu verlieben.
Für seine treue Weggefährtin, die kleine Pudeldame Lea – heute weicht sie Klaus Weber nicht von der Seite – hatte er immer ein Plätzchen frei auf seiner Decke.
„Dass sich unser Sohn so entwickeln konnte, war möglich, weil er auf Menschen traf, die das Wesentliche auf dieser Welt noch sahen, wie die Mitarbeiter von wünschdirwas. Dafür von mir und meiner Familie ein herzliches Dankeschön.“

Nähere Informationen zum Buch:
Broschiert: 170 Seiten
Verlag: Kestner; Auflage: 1 (13. September 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3981200489
ISBN-13: 978-3981200485

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