Johnny

Manchmal regnet es Rote Rosen….

…und für Sarah sogar doppelt

Eine Mutmachergeschichte von Daria Prabucki

In so gut wie jeder Familie gibt es eine Fernsehsendung, die die ‚versammelte Mannschaft‘ vor den Bildschirm zieht. Sarahs Familie ist da keine Ausnahme. Nur ist es in ihrem Fall nicht eine der üblichen Verdächtigen: Eine Quizshow, Sportsendung oder Krimiserie etwa, sondern die Telenovela „Rote Rosen“. Angefangen hat alles im Jahr 2009: Sarahs Mutter zappt durchs Nachmittagsprogramm und hält im Ersten an. Die Sendung scheint interessant und so bleibt sie dran. Zu dem Zeitpunkt kann noch niemand ahnen, dass einige Jahre später ihre Tochter ein Riesenfan der Telenovela sein und sogar eine Komparsenrolle ergattern wird. Sarah steigt nur kurze Zeit nach ihrer Mutter in die Welt der „Roten Rosen“ ein. Seitdem heißt es bei der 17-Jährigen täglich: „Rote Rosen an, Alltag aus.“ „Ich verpasse keine einzige Folge“, erzählt Sarah. „Die Sendezeit am frühen Nachmittag ist natürlich nicht gerade optimal, wenn man zur Schule geht, aber wir nehmen die Folgen auf und schauen sie dann alle zusammen abends an.“ Alle, das sind Sarah und ihre Mutter, aber auch ihr Vater und ihr Bruder Silas. Mittlerweile haben Sarah und ihre Mutter die ganze Familie mit ihrer Leidenschaft für die Sendung angesteckt.

Bei solch einer Begeisterung überrascht es nicht, mit welchem Wunsch sich das Mädchen 2014 an wünschdirwas e.V. wendet: Ein Besuch am Rote Rosen-Set mit Komparsenrolle. „Es sollte ein Wunsch sein, den ich mir nicht mal eben selber erfüllen kann. Ich musste nicht lange überlegen. Seitdem ich die Sendung schaue, will ich wissen, wie es hinter den Kulissen aussieht und wie die Schauspieler so sind“, berichtet sie uns. Bestimmte Erwartungen hat sie damals nicht, aufgeregt ist sie dafür umso mehr. Kurz vorher sieht Sarah ihrem großen Tag jedoch mit gemischten Gefühlen entgegen. Im Interview erzählt sie: „Kurz vor der Wunscherfüllung hatte ich ein kleines Tief, mir ging es damals nicht sehr gut. Direkt am Tag nach dem Set-Besuch ging es für mich in die Reha, wo ich mich von meiner Behandlung erholen sollte. Ich wusste, dass ich für eine Komparsenrolle nicht fit genug bin.“

Zunächst ist Sarah traurig und befürchtet, dass sie den Besuch hinter den Kulissen nicht wirklich genießen kann. Am Set angekommen, ist jedoch schnell klar, dass dieser Tag nur gut werden kann. Die Schauspieler wissen Bescheid, dass sie Besuch von einem treuen Fan erhalten und sind schon gespannt, Sarah kennenzulernen. Sie alle nehmen das Mädchen sofort in ihre „Rote Rosen Familie“ auf: „Sie haben sich wirklich für mich interessiert und wollten wissen wie es mir geht. Sie haben mir zugehört, als ich meine Geschichte erzählt habe.“ Ein Ereignis ist der 17-Jährigen besonders in Erinnerung geblieben, nämlich die Begegnung mit der Schauspielerin Brigitte Antonius. Noch heute erzählt Sarah gerne davon: „Als ich ihr erzählte, dass es mir nicht so gut geht, fiel ihr sofort ein Buch mit Entspannungsübungen ein. Das wollte sie mir unbedingt leihen, sie hatte es aber nicht dabei. Also versprach sie, es für mich an der Rezeption unseres Hotels zurückzulegen. Ich könne es ihr zurückschicken, sobald ich es gelesen habe. Als wir am Abend ins Hotel zurückkamen, wusste der Mitarbeiter an der Rezeption Bescheid und gab mir das Buch. Ich habe echt gestaunt.“

Dass Sarah das Buch ein gutes Jahr später direkt am Set wieder zurückgeben würde, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar. Nachdem sie fleißig Autogramme gesammelt und mit ihren Lieblingsschauspielern Fotos geschossen hat und dann sogar bei der Aufnahme mehrerer Szenen dabei sein durfte, ist ihr Set-Besuch mit einem Satz zu Ende gegangen, der ihr für die Zeit danach sehr viel Kraft gegeben hat: „Melde dich, wenn es dir besser geht, dann kommst du als Komparsin wieder.“

Nicht einmal ein Jahr später steht für Sarah eine Fortsetzung ihres Wunsches an und sie macht sich erneut auf den Weg in die Lüneburger Heide, wo die Telenovela aufgezeichnet wird. Diesmal aber, um selber vor der Kamera zu stehen. „Das war wie eine Art zweite Chance. Ich habe mich riesig gefreut, dass sich mein Wunsch, als Komparsin dabei zu sein, nun endlich erfüllen würde“, erzählt sie. Die Aufregung ist vor dem zweiten Besuch noch viel größer. Die Möglichkeit, in seiner liebsten Fernsehsendung mitzuspielen, bekommt man schließlich nicht alle Tage. Doch wie läuft so ein Dreh eigentlich ab? Sarah erinnert sich noch, als wäre es erst gestern gewesen: „Die erste große Frage war natürlich ‚Was ziehe ich an? ‘ Ich wusste, dass wir in dem Fünfsternehotel, einer der Hauptkulissen der Sendung, drehen sollten, also musste ich drei schicke Outfits einpacken. Am Set war dann erst einmal Warten angesagt. Als es losging, war ich extrem nervös, aber die anderen Komparsen haben mir Mut gemacht. Dann wurde es ernst: Mein Drehpartner und ich mussten am Tisch sitzen und so tun, als würden wir uns unterhalten. Das ist gar nicht so einfach! Ich weiß auch überhaupt nicht mehr, was ich da so von mir gegeben habe. Das Schwierigste für mich war, nicht in die Kamera zu schauen und überhaupt ernst zu bleiben. Ich glaube, wenn ich Schauspielerin wäre, müsste ich beim Dreh ständig lachen.“

Selbst nach einem Jahr erkennen viele der Schauspieler Sarah wieder und begrüßen sie herzlich. Die 17-Jährige kann gar nicht glauben, dass sie nun Teil ihrer Lieblingstelenovela ist.

Mittlerweile hat Sarah die Schule beendet und macht nun eine Ausbildung zur Zahntechnikerin, die ihr sehr gefällt. „Mir geht’s gut“, sagt sie. „Ich wünsche mir für die Zukunft, gesund zu bleiben und dass ich meine Ausbildung erfolgreich abschließe.“ Zum Schluss hat sie noch eine Botschaft für die wünschdirwas-Kinder: „Das Wichtigste ist, dass ihr nicht aufgebt und immer weiterkämpft.“ Sarahs Geschichte ist ein gutes Beispiel dafür, dass Träume in Erfüllung gehen…

…manchmal sogar doppelt!

Wunschträume

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