Johnny

Von einer ganz besonderen Schatztruhe, von Trainer Ottmar Hitzfeld und vom stark sein…

… die Geschichte unseres ehemaligen wünschdirwas-Kindes Patrick

In einer Kiste sind all die Dinge enthalten, die aus der Zeit stammen, als Patrick schwer krank war. Seine Mutter Silke hat die Kiste erstellt, als er mit zwei Jahren an Leukämie erkrankt ist. Etwa fünf Jahre später kommen weitere Dinge hinzu, denn Patrick bekommt ein Rezidiv und muss nochmals behandelt werden. In dieser Kiste befinden sich viele Fotos, seine kleinen Schuhe, das Tagebuch, das seine Mutter geführt hat, Protokolle von der Chemotherapie, ein Katheter. „Ich wurde natürlich auch gefragt, warum ich so viele Fotos mache. Fotos im Krankenzimmer, Fotos, wenn er ein Eis gegessen hat, Fotos von jeder Situation und jedem Stadium eigentlich. Ich habe die Fotos gemacht, weil ich etwas haben wollte, das ich ihm später zeigen konnte. Er war ja noch so klein, beim ersten Mal gerade mal zwei. Mit Hilfe der Fotos wollte ich ihm später erklären und zeigen, was es mit seiner Erkrankung auf sich hatte“, erzählt Silke.

Bei den Fotos sind auch die Fotos dabei, die Patrick an einen besonderen Tag erinnern, an den 30. September 1996. An diesem Tag wurde ihm von wünschdirwas ein Wunsch erfüllt. Auch den Brief, den er kurz vorher von wünschdirwas erhalten und in dem er von seiner Wunscherfüllung erfahren hat, bewahrt er in der Kiste auf. „Als ich gefragt wurde in der Klinik, was ich mir wünsche, wusste ich sofort: Ein Spiel von Borussia Dortmund anschauen“, erinnert er sich. Es wird kein Spielbesuch im Stadion, sondern gleich ein Besuch beim Training. „Eigentlich sogar noch besser. Zum Spiel kann man ja immer, aber die Spieler so hautnah zu erleben war einmalig“, sagt der heute 27-Jährige.

Toll fand er auch, dass sein damals bester Freund, ebenfalls ein riesen BVB-Fan, ihn begleiten durfte. Bei der Frage, auf wen er sich am meisten gefreut habe beim Treffen, zeigt er ohne Zögern auf ein Foto: „Auf ihn natürlich, Trainer Ottmar Hitzfeld.“ Hitzfeld habe auch die Mannschaft zusammengerufen, damit alle die Kinder begrüßen und Autogramme geben konnten. Nach dem Training gab es noch die Möglichkeit in Ruhe Fotos zu machen. Im Anschluss hat Patricks Mutter eine Foto-Collage gemacht, die seitdem immer in seinem Zimmer hing. Als er zu Hause ausgezogen ist, hat er sie mitgenommen. Heute hängt sie bei ihm in der Küche und man darf gespannt sein, welchen Ehrenplatz sie demnächst bekommt, denn Patrick verrät: „Ich habe heute ein Haus gekauft, wir kommen gerade vom Notar. Ich habe letzten September geheiratet und meine Frau und ich hatten geplant ein Haus zu kaufen und das haben wir jetzt gemacht.“ Spätestens zum Sommer, wenn alles renoviert ist, möchten sie einziehen.

Wenn er heute auf seine Erkrankung zurückblickt, empfindet er die Zeit nicht als sonderlich belastend. „Mir war als Kind nicht bewusst, dass ich schwer krank war. Die Krankenhausaufenthalte, die Behandlungen – das war eben so. Es hat mir aber auch sehr geholfen, dass meine Mutter immer da war im Krankenhaus. Auch als ich dann zu Hause war, war das nicht anders. Eine Zeitlang konnte ich nicht in die Schule gehen und wurde zu Hause unterrichtet. Aber meistens, wenn mein Zustand es erlaubte, konnte ich nachmittags draußen mit den anderen Kindern spielen. Ich habe mich nicht von meiner Krankheit beeinträchtigt gefühlt.“ Er sei ein sehr tapferer Patient gewesen, erinnert sich seine Mutter, und habe nicht gejammert und alle Behandlungen ohne zu klagen mitgemacht. Nach ihren Empfindungen in der Zeit befragt, sagt sie: „Ich war immer überzeugt, dass er die Krankheit meistern wird. Für mich gab es keinen Zweifel daran. Mit einem Rezidiv hatte ich natürlich nicht gerechnet. Die zweite Erkrankung war schwieriger. Schwierig war vor allem der Spagat, denn zu dem Zeitpunkt war mein jüngerer Sohn schon geboren. Auf der einen Seite ist man ja die ganze Zeit beim kranken Kind, auf der anderen will man aber natürlich auch dem anderen Kind gerecht werden. Das ist für alle Familien eine schwierige Situation. Aber wir haben auch viel Unterstützung von Familie und Freunden bekommen.“

Seit 2002 gilt Patrick als geheilt. Er hat nach der Schule eine Ausbildung zum Mechatroniker gemacht und nach einigen beruflichen Stationen, arbeitet er mittlerweile im Betrieb seines Vaters. Die überstandene Erkrankung spielt im Alltag keine Rolle mehr. „Bei Untersuchungen zum Beispiel ist Leukämie kein Thema. Aber ich mag es nicht in Krankenhäuser zu gehen. Da bekomme ich ein sehr komisches Gefühl.“ Das könne aber auch damit zusammenhängen, dass er aufgrund eines angeborenen Herzfehlers in den letzten Jahren zwei größere Operationen am Herzen hatte. Es gibt aber noch eine Sache, bei der die zurückliegende Erkrankung doch wieder ins Bewusstsein rückt: „Wenn es um Familienplanung geht, dann beschäftigt mich die Erkrankung doch. Wir möchten gerne eigene Kinder, aber ob es möglich sein wird nach den Chemotherapien, weiß ich nicht. Aber das werden wir, wenn es soweit ist, wissen und dann schauen wir weiter.“ Als Patrick über seine heutigen Wünsche und Ziele redet, beginnt er die Aufzählung mit bereits in Erfüllung gegangenen Wünschen: „Ich habe geheiratet, wir haben das Haus gekauft. Wir konnten noch keine Hochzeitsreise machen. Ich würde gerne mal für längere Zeit verreisen, am liebsten nach USA. Dann ist geplant, dass ich den Betrieb meines Vaters übernehme – ich möchte gern mein eigener Chef sein. Und natürlich will ich gesund bleiben.“

Dem hat seine Mutter nichts hinzuzufügen. „Auch ich wünsche mir, dass er weiterhin gesund bleibt“, sagt sie. „Das ist das wichtigste und seine anderen Wünsche, die werden sich erfüllen.“ Aus eigener Erfahrung, aber auch aus Erfahrungen aus dem engeren Familien- und Freundeskreis, habe die Familie gelernt, Dinge, die man im Leben machen möchte, auch zu tun. „Warum sollte man warten bis man zum Beispiel in Rente ist oder mehr Zeit hat. Wenn es die Möglichkeit gibt etwas zu tun, dann sollte man es auch direkt tun. Nach diesem Motto leben wir“, erzählt Silke.

Welchen Tipp er anderen Kindern und Jugendlichen, die eine schwere Erkrankung durchmachen, geben kann, weiß Patrick auf Anhieb nicht, aber schließlich sagt er: „Mir selber war nicht bewusst, dass ich schwer krank war. Deswegen habe ich einfach weitergemacht wie sonst auch. Vielleicht ist es das. Einfach weitermachen und stark bleiben.“

 

von Alexandra Streck

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