Johnny

Halbes Herz – ganz gelebt:

Franziskas Familie erzählt vom Leben ihrer Tochter und den vielen schönen Momenten, die sie geschenkt hat

„Ich bin froh, dass ich an diesem Leben teilnehmen darf“, schreibt Franziska Rolfes in ihrem Buch Halbes Herz – ganz gelebt. Ich schenke euch Geschichten aus meinem Leben und wenn man das Buch liest oder mit ihrer Familie spricht, dann weiß man, wie wahr dieser Satz ist. Franziska ist 15 Jahre alt, als sie das Buch schreibt. Sie ist mit einem hypoplastischen Linksherz zur Welt gekommen und weiß, dass sie früher sterben wird als andere. Die Zeit, die sie hat, genießt sie. Auch wünschdirwas hat das Mädchen kennenlernen dürfen, bei einer Wunscherfüllung im Frühling 2014, als sie den Schauspieler und Sänger Tom Beck treffen durfte. Und sie hatte noch viele weitere Pläne und Wünsche. „Einen meiner Wünsche erfülle ich mir gerade, ich schreibe dieses Buch“, erzählt sie auf den Seiten. Franziska stirbt im August 2015, bevor das Buch in Druck gehen kann. Nach einiger Zeit beschließt Franziskas Familie das Buchprojekt ihrer verstorbenen Tochter zu Ende zu bringen. Im April diesen Jahres ist das Buch erschienen.

„Franziska wollte schon immer ein Buch schreiben und hat immer viele Geschichten geschrieben“, erinnert sich ihr Vater Hermann Rolfes. „Sie hat immer davon gesprochen, doch wir wussten nicht so genau, wie wir das anstellen sollen.“ Auch in der Oldenburger Klinik erzählt sie von diesem großen Wunsch. So kommt der Kontakt zum Herzkinder OstFriesland e.V. zustande, der dieses Buchprojekt ermöglicht. Mit der Unterstützung von Judith Lehmann und Liane Hadjeres schreibt sie ihr Buch, in dem sie Geschichten aus ihrem Leben erzählt. Sie schreibt über sich, erzählt von ihren Eltern, ihren Schwestern Annika und Christin, von den Großeltern, Onkeln und Tanten, ihren Freunden, den schönen und weniger schönen Erlebnissen, dem Treffen mit Tom Beck, aber vor allem erzählt sie mit ihren Geschichten von einer großen Lebensfreude. Ob Franziska von Anfang an ein autobiografisches Buch schreiben wollte oder es sich im Laufe der Zeit in die Richtung entwickelt hat, wissen ihre Eltern nicht. Zweimal die Woche, Monate lang, skypt Franziska mit ihrer Co-Autorin Judith Lehmann und erzählt ihre Geschichten.

„Manchmal habe ich zwar mit einem Ohr was aufgeschnappt, wenn Franziska geskypt hat, aber mehr nicht“, erzählt ihre Mutter Marianne Rolfes. Das komplette Buch kenne sie auch noch nicht. „Ich habe das Buch noch nicht gelesen, das fällt mir noch zu schwer. Wir waren bei den Lesungen, als das Buch vorgestellt und einiges daraus vorgelesen wurde. Es war schön, aber emotional für uns sehr schwierig.“ Auch Franziskas Vater kann das Buch erst einige Monate nach der Veröffentlichung lesen. „Besonders berührt hat es mich, wie sie über sich selbst schreibt“, sagt er. „Es ist auch so emotional, weil es so geschrieben ist, wie sie gesprochen hat, so als würde sie das gerade erzählen. So wie sie war.“

Und wie war Franziska? „Sie war immer so kontaktfreudig, konnte gut mit ihrer Krankheit umgehen. Sie hat sich nicht versteckt. Manche Kinder hatten zum Beispiel Angst vor ihr, weil ihre Haut so blau war, aber auch damit konnte sie umgehen“, sagt ihre Mutter. Stark und lebensfroh sei sie gewesen. „Sie hat immer gesagt, es gehe ihr gut und war fröhlich, sie war einfach der Strahlemann der Familie“, erzählt ihr Vater. Einen Monat vor ihrem Tod zum Beispiel, als sie bereits sehr schwach war, habe Franziska unbedingt seinen Geburtstag groß feiern wollen. „Wir waren unsicher und meine Frau wollte eigentlich gar nicht feiern. Doch als die Ärzte gesagt haben, dass Franziska stark genug wäre, haben wir den Geburtstag groß gefeiert, mit 160 Gästen. Im Nachhinein sind wir froh, dass wir es gemacht haben. Es war eine tolle Feier und alle waren da. Franziska hat immer sehr gerne gefeiert und es genossen unter vielen Leuten zu sein.“

Auf die Frage, was sie anderen Familien in einer ähnlichen Situation raten würde, antwortet Franziskas Mutter: „Man muss an die schönen Momente denken.“ Das ist es auch, was Franziska wollte, die schreibt: „Wenn ihr mich vermisst, könnt ihr einfach in diesem Buch lesen und an die schönen Momente, die wir hatten, denken, so kann ich euch trösten, falls ich nicht mehr da bin.“ Die Krankheit sei natürlich immer präsent gewesen, sagen ihre Eltern, einige Jahre etwas weniger, als es Franziska gut ging und sie kaum Einschränkungen hatte, dann wieder mehr, vor allem in den letzten zwei Jahren, als es ihr immer schlechter ging. „Trotz dieser Krankheit, hatten wir auch sehr viele schöne Momente zusammen.“ Zu diesen schönen Momenten gehört auch Franziskas Wunscherfüllung bei wünschdirwas, ihr Treffen mit Tom Beck. Ein ganzes Kapitel hat sie diesem Erlebnis gewidmet, in dem sie vom gemeinsamen Frühstück erzählt, von dem Spaziergang durch Köln und den Geschenken, die Tom Beck ihr gemacht hat und auch davon, was das Tollste am Treffen war: „Das Schönste war, dass Tom Beck sich auf die Treppenstufen setzte und mit seiner Gitarre ein Lied spielte. Alle Schulklassen, die dort waren, sahen ihn und hörten sein Lied. Und auch sie fragten sich: „Oh Gott, ist das nicht Tom Beck?“ und blieben kurz stehen. Das war ein wunderschöner Moment.“ Sie habe ganz oft von diesem Treffen gesprochen, erinnert sich ihre Mutter. „Sie war unglaublich stolz darauf, dass er nur für sie gesungen hat und dass andere Mädchen es gesehen haben.“

Franziskas Geschichten erzählen von einem großen Lebenswillen und großer Freude. „Ich liebe mein Leben, obwohl es manchmal schwierig ist und genieße jeden einzelnen Tag, auch wenn es mir mal nicht so gut geht“, schreibt Franziska. Ihre Schwester Annika kann das bestätigen: „Sie hat das Leben in vollen Zügen ausgekostet. Ich glaube, jemand anderes an Franziskas Stelle hätte gar nicht so lange durchgehalten. Aber Franziska war sehr stark und wollte einfach leben. Sie hat nie aufgegeben.“ Franziska hatte eine To-Do-Liste mit all den Dingen, die sie noch machen wollte. Es waren reale Dinge, hauptsächlich waren es Dinge, die sie mit ihrer Familie unternehmen wollte. „Viele Wünsche, die auf der Liste standen, haben wir erfüllen können, aber nicht alle, zum Limousinefahren sind wir zum Beispiel nicht mehr gekommen“, sagt ihr Vater. „Franziska hat die Liste immer erweitert. Jedes Mal, wenn wir eine Sache erfüllen konnten, sind ihr wieder mindestens zwei weitere eingefallen. Sie hat einfach immer weiter gemacht.“  Franziskas Stärke und ihr Lebensmut sind es, die die Familie stark beeindrucken. „Ich bin sehr stolz auf Franziska“, sagt ihre Schwester Annika, „und im Nachhinein sogar noch stolzer, auch durch das Buch.“

Mit ihrem Tod hat sich Franziska aber auch beschäftigt. In ihrem Buch schreibt sie, dass sie Angst davor habe. Ihre Beerdigung hat sie vorher genau geplant. Sie hat sich gewünscht, dass alle sich bunt anziehen und dass es eine Lichterandacht gibt. Es lief Musik, die sie mochte. „Ich habe ein rotes Hemd angehabt“, erzählt Hermann Rolfes, „mein Frau hat eine bunte Bluse angezogen und auch alle Trauergäste haben sich an Franziskas Wunsch gehalten, fast 500 Leute.“ Als der Sarg hinuntergelassen wurde, ließen sie 100 Luftballons mit guten Wünschen steigen, so wie Franziska es auch schon mal gemacht hatte. Der Alltag sei schnell eingekehrt, was auch wichtig sei, denn es gehe immer weiter. „Aber an Franziska denken wir häufig, zum Beispiel, wenn wir einen Film schauen, von dem wir denken, dass Franziska ihn gemocht hätte. Dann sagen wir: ‚Das hätte Franziska auch gefallen‘“, erzählt ihr Vater. Ob es etwas gäbe, das Franziska anderen Kindern und Familien in schweren Situationen geraten hätte. Darauf weiß ihre Schwester Annika eine Antwort: „Dass man nie an seine Schwächen denken soll, sondern an seine Stärken glauben. Das hätte Franziska ganz sicher gesagt.“

Franziskas Buch Halbes Herz – ganz gelebt. Ich schenke euch Geschichten aus meinem Leben wurde finanziert und herausgegeben vom Herzkinder OstFriesland e.V.. Der Erlös der Einnahmen aus dem Buch geht an den Elternverein, um weitere Projekte für Herzkinder zu realisieren. Mittlerweile wird an der zweiten Auflage gearbeitet. Das Buch können Sie direkt beim Verein Herzkinder OstFriesland bestellen. Weitere Informationen zu dem Buch finden Sie hier. 

 

von Alexandra Streck

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