Johnny

An ihrer Seite

Viktorias Wunscherfüllung liegt rund 15 Jahre zurück und auch ihre Erkrankung gehört der Vergangenheit an. Doch eine wichtige Person aus der Zeit gehört nicht in die Vergangenheit  – eine Mutmachergeschichte, die auch eine Liebesgeschichte ist:

Sie sind gerade frisch aus dem Urlaub zurück – eine Wohnmobiltour an den Bodensee, in die Schweiz, durch Italien und Frankreich. An diesem Tag steht Köln auf dem Programm. Doch bevor es in die Stadt und den Kölner Dom hinaufgeht, besucht Viktoria mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern Valeria (10) und Mira (8) das wünschdirwas-Büro, um ihre Geschichte zu erzählen.

Vor mehr als 15 Jahren erkrankt Viktoria schwer. „Die Diagnose war für mich ein Schock und zuerst habe ich gedacht, ich müsse sterben. So wirklich habe ich nicht gewusst, was es mit der Erkrankung auf sich hat. In dem Alter beschäftigt man sich nicht mit Krebs und dass es Therapien gibt, war mir auch nicht klar“, erzählt Viktoria. Die Therapie verläuft erfolgreich. Etwa ein Jahr später, als es ihr nach den Behandlungen wieder gut geht, erfüllt ihr wünschdirwas einen Wunsch: Eine Reise ins Disneyland Paris. Ihr Freund Waldemar, mit dem sie mittlerweile verheiratet ist, soll sie begleiten: „Es war für mich so unglaublich wichtig, dass er dabei ist. Ich wollte unbedingt, dass er mitkommt und dieses Erlebnis mit mir teilt.“ Doch zunächst ist nicht sicher, ob er mitfahren kann. Denn Waldemar ist zu der Zeit bei der Bundeswehr und weiß nicht, ob er für die Reise Urlaub bekommt. „Ich habe dann beschlossen meinem Vorgesetzen die Wahrheit zu erzählen“, erinnert sich Waldemar. „Ich habe ihm von der Krankheit meiner Freundin erzählt und der Wunscherfüllung und dass ich sie begleiten möchte. Und es hat geklappt.“ Für Viktoria mit der schönste Punkt an der Wunscherfüllung. Die ganze schwere Zeit hindurch war er an ihrer Seite, jetzt sollte er auch den Abschluss mit ihr erleben.

Sie waren gerade ein halbes Jahr zusammen, als bei ihr ein Tumor entdeckt wurde. „Als ich dann aus dem Krankenhaus nach Hause kam, war es schwierig für mich. Wir haben in einer Kleinstadt gelebt und ich habe mich wie eine Außenseiterin gefühlt. Viele haben sich abgewandt von mir, wussten nicht, wie sie mit mir und der Situation umgehen sollten. Ich war sehr schüchtern, habe mich geschämt. Ich trug eine Perücke, darüber meistens noch einen Hut und habe mich total zurückgezogen. Aber mein Mann war die ganze Zeit an meiner Seite, hat mich bedingungslos unterstützt.“ Für Waldemar sei es selbstverständlich gewesen, dass er ihr beisteht: „Vielleicht liegt es auch daran, dass ich solch eine Situation aus meiner eigenen Familie kannte. Deswegen hatte ich nie Berührungsängste.“

Die Erkrankung ist für Viktoria nach der Therapie schnell abgeschlossen. „Ich habe nicht mehr daran gedacht. Auch zu den ganzen Nachuntersuchungen bin ich gegangen ohne mich weiter damit zu beschäftigen. Ich hatte eigentlich keine Angst, dass der Krebs zurückkommen könnte.“ Etwa zwei Jahre später aber, als Viktoria gerade ein Praktikum im Kindergarten macht, bekommt sie eine Panikattacke. „Das kam so plötzlich. Ich wusste nicht, was los ist. Meine Mutter hat mir dann geraten, zu einem Psychologen zu gehen“, erzählt sie. Zunächst kommt ihr der Gedanke komisch vor. Sie wär ja nicht psychisch krank, hat sie gedacht. Doch dann nimmt sie den Rat der Mutter an. „Ich kann jedem nur empfehlen, der durch eine schwierige gesundheitliche Phase geht, die Scham und Vorurteile abzulegen und sich auch professionelle Hilfe zu holen. Viele Dinge kann man oft nicht selber verarbeiten.“

Ihre Krankheit hat sie hinter sich gelassen und ist glücklich über ihre Kinder, denn ob sie je würde Kinder haben können, konnten ihr die Ärzte damals nicht sagen. Und dann ist da ja auch noch ihre große Jugendliebe Waldemar an ihrer Seite, mit dem sie zuletzt ihren 10. Hochzeitstag gefeiert hat – auf Ibiza, wie sie es sich gewünscht hatte.

 

von Alexandra Streck

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