Johnny

Als wünschdirwas fliegen lernte...

Mit dem kleinen Christian ging es erstmals ab in die Luft

Christian erlebt 1989 eine der ersten Wunscherfüllungen in der Geschichte von wünschdirwas. Bei einem „Surfausflug“ durchs World Wide Web findet er den Verein Jahre später wieder.

Eine Mutmachergeschichte aus der Feder von Daria Prabucki 

Seit mehr als 25 Jahren erfüllt wünschdirwas die Träume schwer erkrankter Kinder und Jugendlicher. Ein Wunsch, der seit der Gründung des Vereins ganz oben auf der Liste steht, ist der Rundflug mit einem Hubschrauber. Als einem der ersten wünschdirwas-Kinder überhaupt, wurde Christian dieser Traum erfüllt. Ein Vierteljahrhundert nach diesem unvergesslichen Erlebnis erzählt er, wie es damals für ihn war und wie es ihm heute geht.

26 Jahre zurückgespult: Der kleine Christian ist gerade einmal vier Jahre alt. Er muss viel Zeit in der Kinderklinik verbringen. Regelmäßig kann er beobachten, wie der Hubschrauber auf dem Landeplatz neben der Klinik landet. Die rotierenden Propeller und der laute Motor faszinieren den kleinen Jungen und lenken ihn vom Klinikalltag ab. Als eines Tages Mitarbeiter von wünschdirwas die Klinik besuchen, um die kleinen Patienten nach ihren größten Wünschen zu fragen, fällt Christian der Hubschrauber wieder ein. Trotz seines jungen Alters weiß er genau, was er sich wünscht. „Meine Eltern erzählen mir heute noch davon, wie begeistert ich damals war und dass ich sofort wusste, was ich möchte: Einmal im Hubschrauber zu sitzen und alles von oben zu sehen“, erzählt er im Interview. Kurze Zeit nachdem der Kleine seinen Wunsch äußert, ist es dann auch soweit: Christian darf einen Hubschrauberrundflug erleben. Begleitet von einem Kamerateam des WDR hebt er ab in die Lüfte und unter ihm schrumpft langsam die Welt.

Auch wenn er sich heute nicht mehr an jedes Detail seiner Wunscherfüllung erinnert, den einzigartigen Blick aus der Vogelperspektive wird Christian wohl nie vergessen. Noch heute weiß er genau, wie großartig das Gefühl war, in diesem Hubschrauber zu sitzen und die scheinbare „Miniaturwelt“ zu bestaunen: „Das war einfach das beste Gefühl! Auch wenn es schon so lange her ist, ich denke so ein Gefühl vergisst man nie.“ Von Zeit zu Zeit schaut er sich die Fotos von damals noch an und auch den WDR Bericht und einen Zeitungsartikel bewahrten seine Eltern auf. Was nach der Erfüllung geblieben ist, ist jedoch viel mehr als all die Erinnerungsstücke. Christian war damals noch zu klein, seine eigenen Erinnerungen sind deshalb heute nicht ganz scharf, seine Mutter jedoch weiß noch immer, wie viel ihrem Sohn die Wunscherfüllung brachte: „Nach seinem Hubschrauberflug hatte er ganz neuen Antrieb“. Die Wunscherfüllung schenkte dem kleinen Jungen Energie, die er in der schweren Zeit gut gebrauchen konnte. Auch Christian ist überzeugt davon, dass nicht nur die Wunscherfüllung selbst, sondern gerade auch die Zeit vorher für die Kinder und Jugendlichen entscheidend ist: „Man hat einen Tag auf den man sich freuen kann, sobald man erfährt, dass der Wunsch erfüllt wird. Das gibt einem Kraft und neuen Mut.“

Heute ist Christian erwachsen, steht mitten im Leben und ist gesund. Beim Surfen im Internet fiel ihm der Verein wieder ein: „Ich habe dann einfach in der Suchleiste bei Facebook ‚wünschdirwas‘ eingegeben und bin tatsächlich auf der Seite gelandet.“ Spontan beschloss er, sich einfach mal an das Team zu wenden und seine Geschichte zu erzählen. In den letzten 25 Jahren ist viel passiert und Christian ist dankbar für sein „ganz normales“ Leben. Nachdem er die Schule beendet hatte, machte er eine Ausbildung zum Bäcker und übt den Beruf seitdem gerne aus. „An das frühe Aufstehen gewöhnt man sich mit der Zeit, das macht mir heute nicht mehr viel aus“, antwortet er auf die Frage, die man einem Bäcker gern stellt. Einen Ausgleich zum manchmal stressigen Arbeitsalltag bietet Christian sein Hund Paul. Der Labrador ist bereits seit 4 Jahren sein treuer Begleiter. Mit ihm Zeit zu verbringen bringt Christian runter und entspannt ihn nach einem langen Tag in der Bäckerei.

In seiner Freizeit beschäftigt sich der mittlerweile 29-Jährige gerne mit Fußball, genauer gesagt mit dem FC Kaiserslautern. Um es noch genauer und mit seinen eigenen Worten zu sagen: Er ist „verrückt nach dem FC Kaiserslautern“! Kein Spiel, das er sich nicht anguckt. Kein Spieler, über den er nicht bestens Bescheid weiß. Es fällt kein Tor, ohne dass Christian davon weiß. Seine Leidenschaft für den Verein begann bereits 1991, drei Jahre nach der Diagnose. „Wäre meine Wunscherfüllung später gewesen, hätte ich mir bestimmt ein Treffen mit den Spielern des FCK gewünscht“, ist er sich heute sicher. Ein bis heute unvergessenes „Fußballerlebnis“ ist das erste Spiel, das er im Stadion miterlebte. Gut ging dieses Spiel leider nicht aus: „Das war 1996. Das allererste Spiel vom FCK, bei dem ich live dabei war und es war direkt mal der Abstieg in die 2.Bundeliga!“ Einen wahren Fan kann so ein Abstieg jedoch nicht erschüttern. Christian ist seinem Verein bis heute treu geblieben.

Noch immer spricht er viel mit seinen Eltern über die schwere Zeit. Sie erzählen ihrem Sohn häufig, wie genau es damals war und wie tapfer er sich durchgekämpft hat. Für die Zukunft wünscht er sich gesund zu bleiben und irgendwann seine eigene Familie zu gründen. Bis dahin ist er froh, ein zufriedenes Leben zu führen, ist dankbar für seine Familie und für Paul und freut sich, seine Geschichten erzählen und anderen damit Mut machen zu können.

Wunschträume

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