Johnny

Interview mit Walter Tewes und Andrea Kleinefehn, Kinder und Jugendhospiz Malteserhospiz St. Raphael in Duisburg

Frau Kleinefehn, Herr Tewes, der Kinder- und Jugendhospizdienst begleitet Familien als Gesprächspartner, Ratgeber und Vermittler. Mit der bestmöglichen palliativen und psychosozialen Betreuung versuchen Sie die Lebensqualität der erkrankten Kinder und Jugendlichen, ihrer Familie und Freunde zu erhalten. Das ist ein sehr umfassendes Angebot – wie kann wünschdirwas dabei im Kleinen unterstützen?
Walter Tewes: „Viele Familien, die wir begleiten, müssen sich nicht nur mit der lebenslimitierenden Erkrankung eines Kindes auseinandersetzen, oft sind auch andere soziale Umstände zusätzlich erdrückend. Wir begleiten viele alleinerziehende Mütter, die aufgrund der Betreuung des Kindes nicht berufstätig sein können. Die finanzielle Situation ist entsprechend oft sehr angespannt. Krankheit kostet Geld und so bleibt wenig übrig für die Erfüllung besonderer Wünsche. Hier wird wünschdirwas tätig, bringt einen Lichtblick in den oft sehr belasteten Alltag.“

Einige dieser besonderen Wünsche durften wir schon Kindern und Jugendlichen, die durch Sie betreut werden erfüllen. Was  bedeuten diese Wunscherfüllungen für die Kinder und Jugendlichen?
Andrea Kleinefehn: „Da geht oft ein kleiner oder sogar großer Traum in Erfüllung. Wenn zum Beispiel ein kleiner Junge, der an einem Hirntumor leidet davon träumt, später einmal Polizist zu werden und dann steht völlig unerwartet  ein Polizeiauto vor der Krankenhaustür, um ihn nach der Therapie nach Hause zu fahren, dann ist das wie Ostern und Weihnachten zusammen. Da sind die Strapazen der Therapie erst einmal vergessen.“  

Gab es für Sie einen außergewöhnlichen Wunsch eines Kindes, der Ihn en besonders am Herzen liegt?
Kleinefehn und Tewes: „Die Mutter eines an einer fortschreitenden Muskelerkrankung leidenden Jungen erzählte uns beim ersten Kennenlernen, dass ihr Sohn gerne Filme mit Legofiguren als Darsteller selbst dreht, sogenannte Brickfilme. Da er gerne einmal erleben wollte, wie die Profis solche Filme drehen, nahmen wir Kontakt zu wünschdirwas auf. Schon bald konnte er an einem Bundestreffen der Brickfilmemacher in Hamburg teilnehmen und sich mit den Profis austauschen. wünschdirwas hat nicht nur die Teilnahme am Treffen sondern auch den Wochenendaufenthalt in Hamburg bis ins kleinste Detail organisiert.“

Sind die Wunscherfüllungen nachhaltig präsent für die Kinder?
Tewes: „Da es bei den Wünschen meistens nicht um Dinge geht, sondern um Erlebnisse, bleiben die Erinnerungen nachhaltig präsent. Auf solche guten Erinnerungen kann immer wieder zurückgegriffen werden, auch dann, wenn die Erkrankung oder Behinderung wieder zuschlägt. Die Schatzkiste mit den Erinnerungen ist immer verfügbar, man kann immer und überall auf sie zurückgreifen.“

Was bedeuten die Wunscherfüllungen für die Eltern und gesunden Geschwisterkinder?
Tewes: „Für die Familien ist es schön zu erleben, wie viel Freude und Kraft die Kinder dadurch bekommen. Jedes Lachen lässt viele Tränen vergessen. An vielen Wunscherfüllungen ist die gesamte Familie beteiligt. Oft sind die von uns betreuten Kinder jedoch so stark eingeschränkt, dass eine Wunscherfüllung gar nicht möglich ist. Manchmal wünschen wir uns dann eine Wunscherfüllung für die Geschwisterkinder, die oft zurückstecken müssen und extrem viel mittragen in der Familie.“

Viele Kinder und Jugendliche können aufgrund ihrer momentanen Verfassung das Krankenbett nicht verlassen. Daher hat wünschdirwas unter anderem das Projekt „Spiel und Spaß im Krankenhaus“ gestartet. Unsere Ehrenamtler Fug und Janina waren bereits auch in Ihrem Hospiz und haben für ausgelassene Stimmung gesorgt. Wie wichtig sind solche besonderen Ereignisse im Hospizalltag und was bewirken sie bei den Kindern?
Kleinefehn: „Solche Ereignisse sind natürlich Highlights im Alltag der Familien. Und der Besuch von Fug und Janina bei unserer Adventsfeier war etwas ganz besonderes! Ihren „Fernsehstars“ persönlich zu begegnen, war etwas sehr aufregendes. Da tauchte bei einem kleinen Mädchen die Frage auf, wie die beiden wohl aus dem Fernseher herausgekommen sind… Fug und Janina lösten mit ihrem Auftritt Begeisterungsstürme aus und begegneten ihre kleinen Fans  mit viel Herz. Noch heute wird viel von diesem Erlebnis erzählt.“

Seit 2009 hat wünschdirwas ein eigenes Ferienhaus in Hinte. Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht eine gemeinsame Auszeit im Kreise der Familie für die Erkrankten Kinder und ihre Angehörige?
Tewes: „Sehr wichtig! Dann ist endlich mal wieder Zeit für gemeinsame Aktivitäten, Zeit für Gespräche, für ein Stück Normalität. Ein Tapetenwechsel ist einfach gut für die Seele. Eine Auszeit  gibt neue Kraft für den anstrengenden und oft zermürbenden Alltag. Hinzu kommt, dass viele Familien sich eine Auszeit finanziell nicht leisten können. So wird ein Aufenthalt in Hinte oft zum ersten Urlaub nach vielen Jahren.“

Frau Kleinefehn, Herr Tewes, was bedeutet für Sie persönlich die Zusammenarbeit mit wünschdirwas?
Kleinefehn und Tewes: „Der Kontakt zu den Mitarbeitern von wünschdirwas ist immer eine Freude. Wir wissen, dass wir auch bei den verrücktesten Ideen und Wünschen immer ein offenes Ohr finden. Mit großem Engagement machen die Mitarbeiter oft geradezu das Unmögliche doch noch möglich. Man spürt, dass den „Wunscherfüllern“ die eigene Arbeit große Freude macht. Bei wünschdirwas  geht es völlig unbürokratisch zu und die Erfüllung der Wünsche ist bis ins Kleinste perfekt organisiert. Großes Kompliment!“

Zu guter Letzt noch eine persönliche Frage: Hatte Sie beide als Kinder einen ganz besonderen Herzenswunsch?
Kleinefehn: „Im Alter von 6 Jahren habe ich sehnlichst einen Roller gewünscht. Rot sollte er sein und vor allem mit großen dicken Ballonreifen. Leider habe ich ihn nie bekommen…“

Tewes: „Ich habe als Kind immer davon geträumt fliegen zu können. Vor zehn Jahren haben Freunde mir einen Tandem-Fallschirmsprung über Texel zum Geburtstag geschenkt. Ein tolles Erlebnis!“

Frau Kleinefehn, Herr Tewes, wir bedanken uns herzlich für das Interview.