Johnny

"Glaubt immer an Euch selber"

Ein Interview mit Paralympic-Goldmedaillengewinner Markus Rehm

wdw:

Lieber Markus, Du räumst eine Medaille nach der anderen ab. Zuletzt hast Du hast den fabulösen Weitsprung von 7,95 Meter sauber „in die Grube gesetzt“. Da brauchst du bestimmt höchste Konzentration – gibt es etwas Besonderes, an das Du dann denkst und Dich damit motivierst?

Markus:

Ich versuche einfach immer Spaß an dem zu haben was ich mache. Die meiste Motivation brauche ich eigentlich dann, wenn das Training mal wieder richtig anstrengend ist. In solchen Momenten denke ich einfach an all die schönen Wettkämpfe und Erfolge zurück und weiß dann wieder ganz genau, warum man das alles macht! Später im Wettkampf ist es dann wichtig, sich nicht unter Druck setzten zulassen und vor allem braucht man Spaß und viiiiel gute Laune im Wettkampf!

wdw:

Ist die zuletzt gesprungene sensationelle Marke von 7,95 m noch zu toppen? Was sind Deine nächsten sportlichen Ziele?

Markus:

Zugegeben wird es wohl nicht leicht werden diese Marke zu knacken, aber genau das ist jetzt mein Ziel. Ich war und bin immer realistisch in meiner Zielsetzung und genau das hat mich vermutlich so weit gebracht. Ich hab nie gedacht, dass es für mich möglich sein wird 8 Meter zu springen, aber wenn man so nah dran ist, will man das natürlich schaffen.

wdw:

Was für ein Gefühl ist das, zu wissen, dass man einen Weltrekord aufgestellt hat?

Markus:

Das ist natürlich ein großartiges Gefühl zu wissen, dass noch keiner weiter gesprungen ist, als man selbst. Und zugegeben würde ich mich freuen, wenn hinter dem Weltrekord auch noch eine ganze Weile mein Name stehen würde! ;-)

wdw:

Wir durften Dich bei der Wunscherfüllung mit Léon begleiten und Du hast uns am Rande verraten, dass Du „hautfarbene“ Prothesen „langweilig“ findest. Damals hattest Du eine knallgrüne Prothese dabei – hast du eine besondere Lieblingsfarbe oder darf´s auch mal gestreift sein? ;-)

Markus:

Das stimmt, ich hatte früher eine hautfarbene Badeprothese. Damit habe ich mich aber nie wirklich wohl gefühlt und mich für etwas knalligere Farben entschieden. Eine Lieblingsfarbe gibt es nicht direkt, aber die grüne Prothese hat mir bisher am besten gefallen!

wdw:

Du hast den Meisterbrief im Prothesenbau ebenfalls mit hervorragenden Noten erlangt – fertigst Du Dir die Prothesen selbst, insbesondere die, mit der Du die sportlichen Bestleistungen an den Tag legst?

Markus:

Da muss ich zugeben, dass ich ziemlich eigen bin. Ich lasse eigentlich keinen bei meinen Prothesen Hand anlegen, denn ich weiß gerne, wie meine Prothese gebaut und zusammengestellt ist. Zudem hat man auch eine gewisse Verbindung zu seiner Prothese und natürlich macht mir das ganze „basteln“ auch ziemlich viel Spaß!

wdw:

Du hattest ja bereits eine ganz tolle und nachhaltige Wunscherfüllung mit Léon, hast du dich besonders auf diesen Tag vorbereitet?

Markus:

Ehrlich gesagt, konnte ich mich nicht groß vorbereiten, weil ich ja auch nicht genau wusste, wem ich da begegne. Außerdem ist es eh viel schöner wenn alles ungezwungen und spontan ist. Mit war einfach wichtig, dass er einen kleinen Einblick in den Sport bekommt und selbst sieht, dass man trotz Prothese noch einiges erreichen kann.

wdw:

Was hat die Wunscherfüllung mit Leon für dich bedeutet?

Markus:

Mir hat das sehr viel bedeutet und ich habe mich auf den Besuch von Leon sehr gefreut. Als ich damals im Krankenhaus lag, habe ich selbst Besuch von einem Betroffenen bekommen, was mich sehr motiviert und aufgebaut hat. Umso schöner finde ich es, wenn ich genau das jetzt auch weitergeben kann. Und wenn einem das so gut gelingt ist es umso schöner, denn Leon ist jetzt bei uns im Verein des TSV Bayer 04 Leverkusen und konnte sogar schon seine eigenen Erfolge bei der Junioren WM feiern.

wdw:

Hat Dich vielleicht etwas bei der Wunscherfüllung überrascht?

Markus: Natürlich habe ich mich gefragt, warum gerade ich dafür ausgewählt wurde, aber ich hab mich drüber natürlich sehr gefreut.

Als ich Leon dann sah wie er über die Sportanlage zu uns kam, wusste ich direkt, dass in ihm ein super Sportler schlummert…damit habe ich wohl auch Recht behalten! ;-)

wdw:

Was bedeutet es für Dich, Botschafter für wünschdirwas zu sein?

Markus:

Wie schon erwähnt, habe ich damals selbst Unterstützung von einem Betroffenen im Krankenhaus bekommen und da ich weiß, wie sehr mir das weitergeholfen hat, möchte ich genau das wieder zurückgeben. Es geht hier auch nicht darum, eine Vorbildrolle einzunehmen, oder das zu einem aufgeschaut wird… sondern lediglich darum, Wege aufzuzeigen wie es nach so einem Schicksalsschlag weitergehen kann. Und wenn ich dann später glückliche Gesichter oder derart tolle Erfolge sehe, ist das für mich eine noch größere Motivation, genau das weiterzuführen.

wdw:

Gibt es etwas, das Du den Kindern von wünschdirwas sagen möchtest?

Markus:

Na klar… glaubt immer an euch selber…lasst euch von keinem vorschreiben, was ihr könnt und was nicht… und ganz besonders, seid immer dankbar dafür, was ihr habt und nicht traurig über das, was man vielleicht nicht mehr hat!

Und gaaanz wichtig…man muss immer einmal mehr aufstehen als man zu Boden fällt. ;)

wdw:

Ach ja: Hattest Du auch einen ganz besonderen Wunsch als Kind?

Markus:

Ich wollte fliegen! Was ich mir mit zwei Fallschirmsprüngen bereits zum Teil erfüllt habe! Aber zugegeben würd ich gerne auch noch einmal mit einem Gleitschirm durch die Alpen fliegen…vielleicht nach meiner sportlichen Karriere dann!

Hier geht es zur wünschdirwas-Botschafter-Seite von Markus Rehm